Donnerstag, Januar 25, 2007

Ein Zwanziger für Johansson

Der Fußball im dritten Jahrtausend seit Beginn der Zeitrechnung hat seine spirituelle Wirkung nicht nur auf dem hektargrossen Platz samt seiner zweiundzwanzig Spieler, einem Ball und der vier Schiedsrichter entfaltet, sondern auch in den Gremien der Verbände, die sich wie eine Pyramide innerhalb der Nationen und Kontinente aufbaut und ob seiner Wirkung in Ökonomie und Medien auf Kongressen, wie dem 31. ordentlichen des europäischen Verbandes – UEFA in Düsseldorf am 25./26. Januar diesen Jahres einen besonderen Anlass für Interessenartikulation bietet.


Es steht nicht weniger als die Wahl eines neuen Präsidenten am zweiten Tag der Veranstaltung auf dem Programm und es werden zwei Kandidaten antreten: der seit 1990 amtierende Inhaber Lennart Johansson und das Mitglied des UEFA-Exekutivkomitees Michel Platini. Entscheiden werden 52 stimmberechtigte Teilnehmer der Mitgliedsverbände, darunter der Vertreter des Deutschen Fußballbundes (DFB). Der DFB-Präsident Theo Zwanziger gab der Frankfurter Rundschau ein Interview, in dem er eindeutig für den derzeitigen 77jährigen Präsidenten Johansson plädiert und vor einem Aufreissen von Gräben warnt. Welche Interessen des DFB er mit einem Präsidenten Platini gefährdet sieht, läßt er mit einem Lob der derzeitigen Amtsführung Johanssons erahnen, wo er mehr als Lobbyist bei der EU unterwegs ist als in der UEFA-Zentrale in Nyon seines Amtes zu walten, und Deutschland deutlich bei der Bewerbung für die Weltmeisterschaft 2006 unterstützte. Neue Pläne für die kommende Amtszeit formuliert der Unterstützer Zwanziger mit dem Bestreben mehr Einfluß der geldgebenden Verbände bei Abstimmungen, also Abkehr vom Motto 'Ein Verband – eine Stimme', behutsam einzuführen, was mit seinem folgendem Argument belegt wird:


Klar ist: Die Uefa muss auch die Starken schützen, damit die sich am Fußballmarkt behaupten können - nur dann können die Ausgleichsmechanismen greifen. Rücksichtnahme auf die Großen und deren Leistungsfähigkeit ist gefragt. Dann haben die Kleinen die beste Chance, zu profitieren und sich weiterzuentwickeln.


Es scheint, als ob sogenannte Kleine sich nicht selber artikulieren und Ideen und Forderungen einbringen können sollen und ökonomische Kriterien das alleinige Maß darstellen sollen, um ein Status Quo bezüglich der Einflußsphären in den Gremien und der Zentrale zu konsolidieren und auszubauen. Zwanziger spricht auch nicht von Starken und Schwachen, sondern von Grossen und Kleinen. Sportlich aufstrebenden Verbänden aus Osteuropa, wie zum Beispiel Rumänien kratzen ob ihrer Stärke in den europäischen Klubwettbewerben an der Anzahl der Startplätze des deutschen Verbandes für die Champions League oder den UEFA-Pokal. Sollten mitglieder- und finanzstarke Verbände aber darauf über ihre Gremienarbeit Einfluß nehmen können, wäre die sportliche Durchlässigkeit und Egalität bei Abstimmungen, wie sie zur Zeit vorherrschen, gefährdet.


Bewerber Platini zielt genau in die entgegengesetzte Richtung: Als Beispiel mag sein Vorschlag für eine Begrenzung der teilnehmenden Mannschaften eines Verbandes an der UEFA Champions League auf maximal 3, was für die Premiership in England, die Primera Division in Spanien und die Serie A in Italien jeweils den Verlust eines Startplatzes bedeuten würde, gelten. Es würde mehr sportlicher und ökonomischer Wettbewerb Einzug halten, da sich damit die Attraktivität eines osteuropäischen Vereins mit einem Startplatz in der höchsten europäischen Spielklasse für Spieler und Sponsoren erhöht. Damit würde der Transfer aus dem osteuropäischen Spielerreservoir für westeuropäische etablierte Klubs reduziert und damit sportliche Egalität möglich. Mehr Spiele in europäischen Wettbewerben für die vermeintlich Kleinen bedeutet auch mehr Möglichkeiten beim Punktesammeln für den UEFA-Fünfjahres-Koeffizienten, der wiederum die Verteilung der Startplätze regelt. Hier wieder ein konkretes und aktuelles Problem des deutschen Fußballs: Sollten die rumänischen Klubs in den europäischen Pokalwettbewerben in diesem und den kommenden Jahren sportlich besser Abschneiden, als die deutschen Vertreter, droht der Verlust eines direkten Startplatzes für die UEFA Champions League für den DFB.


Wenn Herr Zwanziger mit der Unterstützung des Kandidaten Johansson die Interessenwahrnehmung sportlich Aufstrebender aber ökonomisch Kleiner untergräbt, so steht vielleicht nicht der sportliche Wert des Mannschaftssportes Fußball zur Disposition, da sich gute Spieler und Trainer egal wo ob ihrer Qualitäten durchsetzen werden, aber Vielfalt und Pluralität bezüglich der Verteilung sportlicher Innovationen und finanziellen Reichtums der Vereine in Europa wäre der Riegel vorgeschoben.

Die Gräben werden nicht erst mit der Favorisierung des ehemaligen Fußballspielers Platini gegenüber dem Angler Johansson entstehen, sie sind bereits da.

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